Eine Seite zurück
Zum Seitenanfang
Zur Startseite
Druckversion
Leserbrief
Artikel versenden
Bild vergrößern
Fenster schließen
zurückblättern
weiterblättern
Zur Übersicht
Mehr zum Thema
weiter...
zurück
Pixelgrafik
Zur Startseite
pixelgrafik
31.07.2010 ] Startseite Anzeigen & Prospekte Shop Kontakt Aboservice ePaper Impressum Suche:
Neue OZ Meller Kreisblatt Wittlager Kreisblatt Bramscher Nachrichten Bersenbrücker Kreisblatt Lingener Tagespost Meppener Tagespost Ems-Zeitung
INFORMATION
Lokales
VfL Osnabrück
Videos
 
Sport
WM-Spezial
Nachrichten
Vermischtes
Kultur
 
kfz-welt.de
Wetter
Computer
Wirtschaft
Wissenschaft
Bildergalerien
Interviews
Serien
UNTERHALTUNG
WM-Tippspiel
Wonneproppen
WebCam Storch
WebCam Zoo
Denksport
SERVICE
Traueranzeigen
Grußanzeigen
Anzeigen
Termine
Ticketshop
Aboservice
ePaper
Mobiles Portal
os1.tv
Twitter
Ausbildung im Verlag
Shop
EL-Card
Leserreisen
Lebenshilfe
Gesundheit
Zoom.In
Recht / Urteile
Online-Werbung
Lautstark, aber unsichtbar

Von Tobias Böckermann
Meppen.
Wie beschreibt man eigentlich einen Unsichtbaren? Jemanden, der sich manchmal laut schnarrend in den Vordergrund drängt, es dann aber vorzieht, lautlos flatternd zu verschwinden? Carsten Marien vom NABU im Altkreis Meppen geht mit 14 Interessierten dieser Frage auf den Grund. Im Gänsemarsch ziehen sie ins Fullener Moor – zum Ziegenmelker, dem seltenen Vogel der Nacht.

ziegenmelker
Meister des Versteckspiels: Nur wer genau hinschaut, entdeckt bei Tage den Ziegenmelker.
Fotos: Tobias Böckermann
Ein Samstagabend im Mai, es ist 21.30 Uhr. Auf dem Parkplatz einer ehemaligen Außenstation des Bundesgrenzschutzes stellt sich Marien vor. Der 30-Jährige ist seit vielen Jahren ehrenamtlich im Naturschutzbund aktiv und kümmert sich um wertvolle Kulturlandschaften ebenso wie um Moore, Sonnentau und eben den Ziegenmelker. Mücken umschwirren die Menschen, die etwa zwischen vier und 70 Jahren alt sind und mehr erfahren wollen über den Ziegenmelker, der seinen Namen übrigens völlig zu Unrecht trägt – aber dazu später mehr.

Während die letzten Sonnenstrahlen am Horizont verschwinden und das melodische Flöten eines Brachvogels verstummt, setzt sich die Gruppe in Bewegung und geht nach etwa 100 Metern von der Straße ab, hinein in ein abgetorftes Moor. Der Boden federt unter jedem Schritt – es ist noch genug Torf geblieben, um zu erahnen, wie mächtig einst das Moor gewesen sein muss. Der Ziegenmelker lässt sich noch nicht blicken, dafür eine Waldschnepfe, die als schneller schwarzer Schatten in den Wald auf der anderen Straßenseite fliegt.

Die Gruppe geht weiter, nimmt einen Sandweg mitten hinein in die Reste des Bourtanger Moores, das mit 300000 Hektar einst das größte Hochmoor Mitteleuropas war. Marien ist zuversichtlich, hier auf Ziegenmelker zu treffen. Dieser taubengroße Geselle ist auch als „Katastrophenvogel“ bekannt – er liebt offenen Sandboden, Waldlichtungen (nach Feuern oder Stürmen) und Heiden. Aber auch die degenerierten, also vom Menschen entwässerten und veränderten Hochmoore bieten mit ihrer offenen, von Bäumen durchsetzten Landschaft und vor allem den Randbereichen gute Lebensräume. „Das Emsland bildet bundesweit einen Verbreitungsschwerpunkt“, sagt Marien zu seiner Gruppe. Und im Emsland wiederum sei das Fullener Moor eine Art „Hot Spot“ für Ziegenmelker.

Volker Blüml bestätigt das. Der Landschaftsentwickler hat vor fünf Jahren intensiv die Verbreitung des Vogels in Niedersachsen untersucht. 1700 bis 1800 Paare haben er und seine mehr als 30 Mitstreiter damals landesweit gezählt – davon 300 im Emsland, wo das Bourtanger Moor und die Tinner Dose die größten Bestände aufzuweisen hatten. Insgesamt ist der Ziegenmelker mit 5000 bis 7000 Brutpaaren bundesweit eine stark gefährdete Art – der Rückgang offener und halboffener, extensiv genutzter Landschaften ließ ihn lange Zeit seltener werden. Derzeit scheint sich der Bestand zu stabilisieren.

flug
Seltenes Dokument: ein Ziegenmelker im abendlichen Flug.

Ausgestattet waren die Erfasser rund um Volker Blüml zumeist mit Klangattrappen. „Wir sind mit CD-Playern nachts in Moor und Heide gezogen und haben den Ziegenmelkern ihren eigenen Schnurrton vorgespielt“, erinnert sich Blüml, der in Osnabrück ein Büro für Landschaftsplanung betreibt. Männliche Ziegenmelker markieren mit dem Ruf ihr Revier, und wenn ein Konkurrent Laut gibt, laufen andere in der Regel zur Hochform auf. Marien hat keine Klangattrappe dabei (die ist auch nur für systematische Erfassungen erlaubt), er ist sich auch so seiner Sache sicher. Nicht mehr lange kann es dauern, meint er, bis jenes langgezogene „err-örrrrr-err-örrrrr“ erklingt, das entfernt an eine Nähmaschine erinnert. Bis zu neun Minuten am Stück schafft ein Ziegenmelker.

Vieles ist gemessen und erforscht worden an diesem merkwürdigen Vogel. Man weiß zum Beispiel, dass er stets zwei Eier auf den nackten Boden legt, die im Schnitt 8,4 Gramm wiegen. Man kennt seine Ankunft aus dem Überwinterungsgebiet in Afrika (Ende April) und seinen Wegzug (schon im August). Auch ist bekannt, dass Ziegenmelker Schachtelbruten bewerkstelligen: Weibchen bebrüten schon wieder Eier, während die Männchen noch die Jungtiere aus der ersten Brut betreuen. Vieles also ist bekannt über diesen Vogel – doch gesehen haben ihn wohl die wenigsten.

Inzwischen ist es dunkel geworden, und Bäume und Sträucher verwischen zu undeutlichen Schemen. Und da ist es plötzlich, das lang ersehnte, monotone Surren. „Direkt vor der Gruppe in einer 15 Meter hohen Birke muss das Männchen sitzen“, flüstert Marien. Es lässt seinen Balzgesang langsam anschwellen, bis ein paar Hundert Meter weiter erst ein Männchen antwortet, dann ein zweites und schließlich ein drittes. Die Gruppe steht still und lauscht. Niemand kann den Vogel sehen, Ferngläser nützen in der Dunkelheit nichts.

ziegenmelker
Auf ins Moor: Carsten Marien führte die Ziegenmelkerwanderung an.

Seine versteckte Lebensweise hat dem Ziegenmelker auch seinen diskriminierenden Namen eingebracht. Der römische Gelehrte Plinius (23–79 nach Christus) schrieb: „Sie stehlen bei Nacht, denn am Tage können sie nicht sehen. Sie dringen in die Ställe der Hirten und fliegen nach den Eutern der Ziegen, um Milch zu saugen. Durch diese Gewalttätigkeit stirbt das Euter ab, und die so gemolkenen Ziegen werden blind.“ Nichts von dem, was der antike Gelehrte schrieb, stimmt. Der Ziegenmelker ernährt sich vielmehr von Insekten, die er mit seinem verhältnismäßig riesigen, mit Borsten ausgestatteten Rachen in der Abenddämmerung und bei Nacht aus der Luft filtert – 17 Gramm braucht ein Vogel pro Tag. Dass er dies gerne in der Nähe des Weideviehs tut, hat einen einfachen Grund: Auch Fliegen mögen Ziegen, Schafe und Rinder und sind in ihrer Nähe besonders reichlich zu erbeuten.

Den Menschen war der Ziegenmelker, der heute auch als Nachtschwalbe bezeichnet wird, stets unheimlich. Überall erhielt er neue Namen und wurde als Kindermelker, Pfaffe oder Hexe verunglimpft und für die rastlos umherstreifenden Seelen ungetaufter Kinder gehalten. Bemerkenswerter als diese Andichtungen sind andere Fähigkeiten. Der Ziegenmelker kann zum Beispiel in den Zustand der Hypothermie verfallen, einen energiesparenden Hungerschlaf, den es in der einheimischen Vogelwelt so nicht noch einmal gibt. In verregneten Sommern können die Vögel damit Zeiten ohne Insekten überbrücken. Die Teilnehmer der NABU-Wanderung haben mit derlei Geschichten gerade wenig im Sinn. Schließlich surrt es jetzt beinahe an jeder Wegbiegung, und am Ende der eineinhalb Stunden im Moor gibt sich Caprimulgus europaeus, wie der Vogel mit wissenschaftlichem Namen genannt wird, dann doch noch von Angesicht zu Angesicht die Ehre. Nach einem fünfminütigen Solo auf einem Baum flattert ein Männchen lautlos auf die Gruppe zu und klatscht mit den Flügeln – ein Zeichen seiner Erregung.

Carsten Marien ist zufrieden und lüftet am Ende ein letztes kleines Geheimnis, nämlich: Was macht der Ziegenmelker eigentlich tagsüber? „Man könnte sagen: er stellt sich tot“, sagt Marien. Tatsächlich verharrt der Vogel am liebsten den ganzen Tag auf dem Erdboden oder auf einem Ast – perfekt getarnt durch sein fleckiges Federkleid. Einmal, so berichtet Marien, sei er mit einem Bekannten im Moor gewesen und habe eine halbe Stunde diskutierend auf einem Fleck gestanden. Der Bekannte habe dann einfach so einen Ast mit dem Fuß angestoßen, und erst in diesem Moment sei ein Ziegenmelker aufgeflogen. „Der hat die ganze Zeit vor uns gesessen und sich nicht gerührt.“

Mehr zum Thema
go Hirschkäfer: Auf der Suche nach dem größten Käfer Europas
go Bildergalerie: Ziegenmelker und Hirschkäfer
go Linksammlung: Ziegenmelker und Hirschkäfer

nicht eingeloggtBenutzer-Login
  Benutzer:
  
  Passwort:
    
  
 » Neu anmelden
 » Passwort vergessen?
 » Infos zur Registrierung

Zoom.In TV
Videonachrichten

Automobiles
kfz-welt.de

Sport
Button für Formel 1

Wirtschaft
Button für Wirtschaft

Wissenschaft
Button für Wissenschaft

Medien
Button für Medien
Aktuelles aus den Rubriken und Lokalausgaben
Lingener Tagespost
30.07.2010
Wer wird Bürgermeister? Kandidaten stellten sich den Fragen der Lingener Tagespost
30.07.2010
Stadtmeisterschaft wird entschieden: Morgen sind die Finalspiele
30.07.2010
Premiere „Pastor un siene Koh“ ist ausverkauft
30.07.2010
„Naturschutzgebiete vernetzen“
30.07.2010
„Marktplatz Fashion“ ist Begegnungsstätte
30.07.2010
Betreuung von Kindern als Job
Meppener Tagespost
28.07.2010
Sauberkeit oberstes Gebot
28.07.2010
Eurohafen im sicheren Fahrwasser
30.07.2010
„Tolle Truppe“: Konzert junger Musiker am 3. August
30.07.2010
„MS Wissenschaft“ ist noch bis Sonntag im alten Meppener Hafen vor Anker
30.07.2010
„Tolle Truppe“
30.07.2010
Getrockneter Klärschlamm
Ems-Zeitung
30.07.2010
Schulstart in Börger weiter ungewiss
30.07.2010
Generalsekretär der Niedersachsen-CDU besucht Wachstumsregion Ems-Achse
30.07.2010
Familie aus Papenburg sucht nach Hausbrand dringend neue Wohnung
29.07.2010
Gesine von Papenburg feiert 25. Geburtstag mit Hafenfest
29.07.2010
„Belastung die höchste in Europa“
29.07.2010
Ausbau der Betreuungsangebote
Kreis Emsland
31.07.2010
Frau stirbt bei Wohnhausbrand in Walchum
31.07.2010
Frau stirbt in brennendem Wohnhaus in Walchum
30.07.2010
Dieb mit Faible für Damenunterwäsche gefasst
30.07.2010
Unfall: Fünf Verletzte, hoher Sachschaden
30.07.2010
Illegale Marihuana-Indoorplantage auf Kegelbahn
28.07.2010
Digitales Auge: Wer soll die Spende bekommen?
Emslandsport
29.07.2010
Heute SVM-Test in Emsdetten
29.07.2010
Werlte: Mit der Vorbereitung „sehr zufrieden“
29.07.2010
BW: Premiere für Göttsch Sonntag um 15 Uhr
29.07.2010
„Mit Airfence auf der sicheren Seite“
27.07.2010
HSG steigert sich: 28:36 gegen Kiel Zeitweise nur 5 Tore Rückstand
27.07.2010
Zweites EM-Silber
Osnabrücker Land
30.07.2010
Weiß ist schick
30.07.2010
Glandorfer Kirmes für die ganze Familie
30.07.2010
71-Jähriger nach Verkehrsunfall schwer verletzt
29.07.2010
Das gibt es nur in Bersenbrück
29.07.2010
Saisoneinflüsse belasten Arbeitsmarkt
29.07.2010
Floristik in der Duschkabine
Stadt Osnabrück
30.07.2010
Neumarkt wird ab Montag zur Staustelle
30.07.2010
Kämpferisch gegen rechts: Zum Tod von Marianne Semnet
30.07.2010
Eine Tote, zwei Gerichtsverfahren
30.07.2010
Dreister Handtaschendiebstahl im Stadtteil Wüste
30.07.2010
Fahndung nach Spindaufbrecher
30.07.2010
Fahndung nach Tankbetrüger
Rund um Osnabrück
30.07.2010
Der richtige Fußball-Riecher
29.07.2010
Wer malt den schönsten Traumgarten?
30.07.2010
Noch immer viele freie Ausbildungsplätze
30.07.2010
Der Frosch rockt in Quakenbrück
30.07.2010
Verständigung entsteht durch Freundschaft
30.07.2010
CDU/UWG setzen auf Ökostrom
Kultur
30.07.2010
Englisch üben mit dem Film „Eclipse“
30.07.2010
Rock ’n’ Roll
30.07.2010
Jagd nach dichtem Dasein
30.07.2010
Spielzeughelden im Plastikmüll
30.07.2010
Gotteskritik in der Sprechblase
27.07.2010
Am Ende der Übersichtlichkeit?
Bersenbrücker Kreisblatt
30.07.2010
Reggae Jam: Zwölf Fahrer unter Drogeneinfluss
29.07.2010
Neuer Bettentrakt wird im November bezugsfertig
30.07.2010
Spielspaß für Jugendliche
30.07.2010
„Es macht uns Spaß, und die Begeisterung der Kinder steckt uns an“
29.07.2010
Ein Segen oder überflüssig?
29.07.2010
Empfang für neue Mitarbeiterin

© 2010