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Vermischtes 09.03.2010
-
«Phantom der Oper» ist zurück
Von Annette Reuther, dpa
London
Millionen Menschen jagte der Maskenmann einen wohligen Schauer ein. Millionen Menschen warteten sehnsüchtig darauf, weiter zu schmachten. Nun ist es soweit: Das «Phantom der Oper» ist zurück.

Fast ein Vierteljahrhundert nach der Erstaufführung des wohl erfolgreichsten Musicals aller Zeiten läuft in London die Fortsetzung «Love Never Dies» von Andrew Lloyd Webber an - die Liebe stirbt nie. Und genauso wenig wie die Liebe ist das Phantom-Phänomen tot zu kriegen. Doch der zweite Teil trieft vor Kitsch und hat sich im Internet schon gehörige Verrisse eingefangen.

Das Phantom spukt nun nicht mehr im Pariser Opernhaus herum, sondern hat sich auf dem New Yorker Vergnügungspark Coney Island eine eigene Oper gebaut. Dort trifft der Halbgesichtige (gespielt von Ramin Karimloo) wieder auf seine große Liebe, die Sängerin Christine Daae (Sierra Boggess) - und auf deren Sohn Gustave. «Die Liebesgeschichte ist die Essenz des Stücks. Ich habe versucht, sie so weit wie möglich weiterzuentwickeln», erklärte der Komponist Webber vor der Weltpremiere am Dienstagabend im Londoner Adelphi Theater.

Herausgekommen ist eine pompöse aber wenig überraschende Inszenierung. Pferde galoppieren auf einer projizierten Leinwand zu tragischer Musik durch Nebelschwaden, auf der Bühne ranken sich esoterisch anmutenden Pflanzenfiguren oder medusenartige Gestalten. Die Darsteller bewegen sich meist im Zeitlupentempo - was die zähe Handlung weiter verlangsamt. Die Balladen «Till I Hear You Sing» und «Love Never Dies» sind immerhin für Romantikfreunde gänsehauttauglich.

Nur die Showelemente auf Coney Island - bei denen auch eine Barbusige über die Bühne springt - lockern ein wenig auf. Und bei dem Song «Beauty Underneath» kommt gar das Gefühl auf, in einer Elektro-Rockoper zu sitzen. Doch erst ein Todesschuss weckt den Zuschauer pünktlich zum Ende wieder richtig auf.

Von Langeweile geplagt taufte ein Theater-Blogger die Show nach einer der Vorpremieren schon «Paint Never Dries» (Farbe trocknet nie): Die Aufführung sei so öde, wie Farbe beim Trocknen zuzuschauen. Webber gab sich gelassen. Es handle sich um eine «traurige Kultur» von Leuten, die vom alten «Phantom der Oper» nicht loskämen.

Doch auch der 61-jährige Brite weiß: Es ist kaum möglich, an den Erfolg des ersten Teils anzuknüpfen. Mehr als 100 Millionen Menschen haben «Das Phantom der Oper» gesehen und es zum finanziell erfolgreichste Musical aller Zeiten gemacht. Seit der Uraufführung 1986 in London spielte es weltweit mehr als fünf Milliarden Dollar ein, wurde in 15 Sprachen übersetzt und hat 50 Theaterpreise gewonnen. Zudem wurden 40 Millionen Alben mit dem Soundtrack verkauft.

Der Druck auf Webber und Regisseur Jack O'Brien könnte also größer nicht sein. Kritiker warfen dem Komponisten, der sowieso schon Multimillionär ist, bereits Profitgier vor. Doch die Fortsetzung verfolgt Webber seit fast 20 Jahren. Grund war angeblich auch, dass die ehemalige Bühnen- und Kostümdesignerin über das Ende des ersten Teils geklagt hatte. Und fragte sich nicht jeder Zuschauer: Was passiert nach dem Verschwinden des Phantoms?

Zunächst sollte Webber der Roman von Frederick Forsyth, «The Phantom in Manhattan» inspirieren, doch das wollte nicht richtig gelingen. Später machte sich Webber an die Musik - doch seine Katze Otto, die angeblich mit am Computer saß, löschte das Werk. Nach allem Hin- und Her entstand schließlich «Love Never Dies».

Sehr zur Freude eingefleischter Phantom-Fans. Einige von ihnen waren nach der Vorpremiere begeistert: «Es ist absolut wundervoll», schwärmte die Zuschauerin Christine Taylor, «es ist zwar nicht so toll wie der erste Teil - aber besser als nichts». Auch «Phans» in New York und Australien werden ihr Urteil bald abgeben können, da «Love Never Dies» dort demnächst Premiere hat. Die deutschen Fans müssen sich derweil noch gedulden. Zwar können sie ab Freitag den Soundtrack kaufen, aber das Musical selbst soll nicht vor 2011 in Deutschland zu sehen sein.



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